Wir sind KLASSE

Mobbingpräventionsprogramm in der sechsten Klasse

 

 „Du Blödmann“, „Du stinkst“, „Keiner will dich hier haben“ – das sind noch harmlosere Kommentare, die sich Mobbingopfer regelmäßig anhören müssen. Oftmals können sie sich nicht in geeignetem Maße wehren oder trauen sich nicht, sich an Lehrer oder Mitschüler zu wenden.

 

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, haben sich sechs Lehrerinnen der Realschule Peißenberg zusammengeschlossen, um im Bedarfsfall den Schülerinnen und Schülern der sechsten Jahrgangsstufe in einem selbst erstellen Präventionsprogramm Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitschüler und Vertrauen zu ihren Klassenkameraden zu vermitteln sowie ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Oberstes Ziel war die Vorbeugung von physischer und vor allem psychischer Gewalt im Klassenzimmer und im Alltag der Jugendlichen. Am 15. Juli wurde ein Probelauf mit der Klasse 6a durchgeführt.

Kooperationsspiele und Aufgabenstellungen, die nur im Team zu bewältigen sind, bildeten dabei die Schwerpunkte des ersten Teils, der in der Turnhalle durchgeführt wurde. So mussten die Schüler zum Beispiel eine an der Wand verankerte Weichbodenmatte hochklettern. Einige Schüler waren zunächst sehr verunsichert, ob sie das schaffen können. Umso größer war dann der Erfolg, nachdem es durch gemeinsame Hilfestellung und Anfeuerung alle Schüler geschafft hatten. Eine intensive Reflexion verdeutlichte, dass die Schüler schnell den Sinn der unterschiedlichen Übungen begriffen und erkannten, dass auch im Alltag ein guter Zusammenhalt wichtig ist.

Nach einer kurzen Pause trafen sich die Teilnehmer dann im Klassenzimmer. Mithilfe einer Mobbingskala sollten die Schülerinnen und Schüler nun Vorfälle wie z. B. „Jemanden anspucken“, „Mit jemandem aus Spaß raufen“ oder „Jemanden aus der Gruppe ausschließen“ einschätzen und sich so in die Opferrolle hineinversetzen. Schnell wurde klar, dass immer das Opfer festlegt, wie schlimm der Vorfall war, und dass die Schüler fast alle Vorfälle auf einer mittleren bis sehr hohen Stufe einordneten und so ihre Empathiefähigkeit unter Beweis stellten. Auch hier stellte eine gemeinsame Reflexion den Lernerfolg sicher.

Im nächsten Teil wurden auch verbale Angriffe von außerhalb behandelt. So sollten sich die Jugendlichen in die Lage eines jungen Menschen versetzen, der im Internet beschimpft wird. Hilfe und geeignete Reaktionen erarbeiteten die Schüler durch die Erstellung eines Textes, wie sie es aus Jugendzeitschriften kennen. Die Ergebnisse wurden auf Plakaten gesichert, sodass die Schüler jederzeit wissen, wie sie als Betroffene reagieren können.

Zusammenfassend wurde den Schülern noch ein Film über die Auswirkungen und mögliche Lösungsvorschläge in einem Mobbingfall gezeigt.

Ab nächstem Schuljahr haben die Klassen der sechsten Jahrgangsstufe die Möglichkeit, das Präventionsprogramm im Bedarfsfall anzufordern und mit den Präventions-Lehrkräften durchzuführen, sodass alle sagen können: „Wir sind KLASSE!“